Organe einfach spenden

Obwohl die Schweizer Bevölkerung der Organspende gegenüber mehrheitlich positiv eingestellt ist, wurden 2017 nur von 145 verstorbenen Personen Organe transplantiert. Gleichzeitig warteten rund 1500 Personen auf ein Spenderorgan. Jedes Jahr sterben hierzulande rund 100 Personen, weil sie kein Organ erhalten haben. 

Im heutigen System wird man zum Organspender, indem man dies schriftlich auf einer Organspenderkarte festhält oder die Angehörigen über seinen Willen informiert. Nun will das die Volksinitiative «Organspende fördern – Leben retten» ändern. Die Initiative  ieht vor, dass grundsätzlich jeder zum Organspender wird, ausser er verneint dies schriftlich oder die Angehörigen lehnen es ab. Dadurch sollen mehr Organe zur Verfügung stehen und Leben gerettet werden. Doch wollen die Schweizer automatisch Organspender sein?

PRO

Mélanie Nicollier, Medienverantwortliche,
Initiative «Organspende fördern – Leben retten»

«Es handelt sich nicht um eine automatische Organspende, sondern um eine vermutete Zustimmung. Die Entscheidungsfreiheit bleibt. Wer seine Organe nicht spenden will, kann sich in einem Register verbindlich eintragen lassen. Zudem finden die Angehörigengespräche wie heute statt. Dabei ist der Wunsch des Verstorbenen zentral und massgebend. Falls eine Person seinen Organspendestatus nicht gemeldet hat, haben die Angehörigen immer noch die Möglichkeit, die Organspende abzulehnen. Dieser Fall tritt dann ein, wenn die Angehörigen Grund zur Annahme haben, dass die verstorbene Person gegen eine Organspende war.»

CONTRA

Ruth Baumann-Hölzle, Institutsleiterin
der Schweizer Stiftung Dialog Ethik

«Die Initiative könnte dazu führen, dass Menschen Organe entnommen werden, die das nicht gewollt haben. In so einem Fall verletzen wir zudem die Menschenwürde, denn dies widerspricht Artikel 10 der Schweizerischen Verfassung und dem Menschenrecht auf persönliche Freiheit, insbesondere auf körperliche und geistige Unversehrtheit und auf Bewegungsfreiheit. Dieses Problem spitzt sich bei der Organentnahme nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand weiter zu. Denn der Patient muss in diesem Fall für die Organentnahme vorbereitet werden, noch bevor er tot ist. Eine Organentnahme sollte aber eine freiwillige Spende sein.»

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