Vitamin D: Teure Labortests sind oft unnötig

Rund 4 Prozent der Kosten im schweizerischen Gesundheitssystem entstehen durch Laboranalysen. Die Bestimmung des Vitamin-D-Spiegels gehört derzeit zu den Spitzenreitern — obwohl die Untersuchung in vielen Fällen gar nicht nötig wäre.

Vitamin D ist wichtig für eine gesunde Knochen- und Zahnbildung. Es fördert die Aufnahme von Calcium und Phosphat im Darm sowie deren Einbau in die Knochen. Eine geringe Menge wird über die Nahrung aufgenommen. Dort ist es vor allem in Fettfischen wie Aal, Hering oder Makrele zu finden. Vitamin D ist aber auch in Eigelb, Milch, Butter oder Fleisch enthalten. Über die Nahrung allein kann der Vorrat jedoch nicht aufgestockt werden.

60 Prozent leiden im Winter an Vitamin-D-Mangel

80 bis 90 Prozent des Vitamin D wird durch Einwirkung von UVB-Strahlung unter der Haut gebildet. Gerade in den Wintermonaten halten sich die Menschen jedoch vermehrt drinnen auf. Gemäss Bundesamt für Gesundheit (BAG) haben rund 60 Prozent der Schweizer Bevölkerung in dieser Jahreszeit eine unzureichende Vitamin-D-Versorgung. Zu den ersten Mangelerscheinungen gehören Müdigkeit und Konzentrationsschwäche. Längerfristig können sich die Symptome aber auch durch Muskelschwäche oder Depressionen zeigen.

Gesunde und ausgewogene Ernährung ist das A und O

Weil die körpereigene Bildung von Vitamin D im Winter nicht ausreicht, empfiehlt das BAG in dieser Zeit eine Supplementierung, zum Beispiel in Form von Tropfen. Dazu muss vorab keine Bestimmung des Vitamin-D-Spiegels im Blut gemacht werden. Dennoch ist die Vitamin-D-Analyse umsatzmässig auf Platz 2, mit geschätzten Kosten von rund 93 Millionen Franken im Jahr 2019.1 In der Schweiz werden pro Jahr Laboranalysen in der Höhe von rund 1,5 Milliarden Franken vorgenommen (Top 5, siehe Labortests). Dazu sagt Dr. Silke Schmitt Oggier, medizinische Leiterin von santé24: «Wer sich ausgewogen ernährt, gesund ist und sich auch so fühlt, braucht keine Supplementierung und muss auch keine Labortests machen.» Natürlich gebe es hier ein paar Ausnahmen. Aufpassen müsse man zum Beispiel bei Grundkrankheiten, insbesondere im Bereich Magen-/Darmtrakt oder der Nieren. «Hier kommen Mangelzustände öfters vor.»

Eine Vitamin-D-Supplementierung empfiehlt Dr. Silke Schmitt Oggier generell Menschen ab 65 Jahren und insbesondere Frauen. Besonders wichtig wird sie, wenn Betagte selten das Haus verlassen oder bettlägerig sind und daher wenig Sonnenlicht bekommen oder wenn sie sturzgefährdet oder bereits gestürzt sind. «Auch hier ist eine vorherige Spiegelbestimmung nicht nötig, wenn man sich an die Dosierungsempfehlungen hält.» Vorsicht geboten ist bei Personen mit Herzproblemen, die sogenannte Glykoside — beispielsweise gegen Bluthochdruck oder Herzinsuffizienz — einnehmen. Diese Medikamente vertragen sich nicht mit Vitamin-D-Supplementen.

(Ernährungs-)Beratung durch santé24

Doch was tun, wenn man sich nicht fit oder nicht leistungsfähig fühlt? «In diesem Fall lohnt sich eine körperliche Abklärung oder Untersuchung bei einer medizinischen Fachperson», empfiehlt Dr. Silke Schmitt Oggier. Die Ärztin oder der Arzt entscheidet dann aufgrund der Befunde, welche weiteren Untersuchungen und Labortests sinnvoll sind. Zudem bietet santé24 auch Ernährungsberatungen an. «Ideal für alle, die wissen wollen, ob sie sich ausgewogen ernähren», sagt Dr. Silke Schmitt Oggier.

1 Auswertung der SWICA Abrechnungsdaten, hochgerechnet auf die Schweiz (Quelle: SWICA-Versorgungsforschung).


Labortests

Die fünf umsatzstärksten Tests, die in der Schweiz durchgeführt werden

Fachbegriff AnalyseErklärung
Krankheitsgefühl/Entzündungen/Infektionen (Hämatogramm III mittels automatisierter Methode: Hämatogramm II, plus 3 Leukozyten-Subpopulationen)Standard-Blutbild (Basisuntersuchung)
25-Hydroxy-Vitamin-D (25-OH-D)Vitamin D
C-reaktives Protein (CRP), qnWichtiger, allgemeiner Entzündungswert: Je höher, desto schlimmer die Entzündung
Vitamin B12 bzw. CyanocobalaminVitamin B12
Glycosyliertes Hämoglobin (HbA1c)Zucker-Langzeitwert (Durchschnitt der etwa letzten 8–12 Wochen) für (potenzielle) Diabetiker. Zusätzlich zur normalen Zuckerbestimmung wichtig, da diese nur einen aktuellen und ernährungsabhängigen Wert anzeigt

Studie zu Vitamin-D-Testing

Das Institut für Hausarztmedizin und Community Care Luzern (IHAM & CC) und das Team Versorgungsforschung von SWICA führten gemeinsam im Auftrag des Swiss Medical Boards eine Studie zu Vitamin-D-Testing durch. Resultat: Im Jahr 2015 wurde bei rund 14 Prozent der Versicherten der Vitamin-D-Spiegel bestimmt, 2018 betrug der Anteil bereits 20 Prozent. Aufgrund der medizinischen Fachliteratur ist davon auszugehen, dass die Mehrzahl dieser Tests unnötig ist.

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