Wenn Eltern älter werden

Wenn die eigenen Eltern gebrechlich werden, stehen ihre Kinder vor der Herausforderung, deren Betreuung sicherzustellen. Dabei sind viele
Aspekte zu berücksichtigen.

Gesund sein und selbständig zu Hause wohnen: So stellen sich die meisten von uns das Altern in Würde vor – und wünschen sich das auch für die eigenen Eltern. Doch aufgrund des demografischen Wandels werden wir immer älter, was zu einer Zunahme chronisch kranker und pflegebedürftiger Patienten führt. Dass Eltern eines Tages Betreuung oder Pflege brauchen, ist somit absehbar. Trotzdem sind viele Kinder überrascht, wenn sie plötzlich realisieren, dass die Eltern nicht mehr ohne Hilfe in den eigenen vier Wänden leben können. Wie weiter?

BETREUUNG DURCH DIE FAMILIE

Die Familie übernimmt nach wie vor einen wichtigen Teil der Pflege und Betreuung älterer Menschen. Eine enorme Leistung. Würden Fachpersonen diese Pflege- und Betreuungsleistungen übernehmen, beliefe sich der finanzielle Aufwand gemäss einer Spitex-Studie aus dem Jahr 2014 jährlich auf 3,5 Milliarden Franken. Die Belastung für die Kinder, die die Betreuung der Eltern zu Hause mit sich bringt, ist somit nicht zu unterschätzen. Meist wohnen sie nicht mehr am selben Ort wie die betagten Eltern und stossen oft selber an ihre Grenzen, wenn sie daneben noch die eigene Familie und den Beruf managen müssen. In solchen Fällen kann ergänzende Unterstützung eine grosse Entlastung darstellen. 

VIELE FRAGEN

Die Frage nach der idealen Betreuungssituation stellt Betroffene vor unterschiedliche Herausforderungen. Zentral ist die gesundheitliche Situation, aber auch persönliche Bedürfnisse und die soziale und familiäre Einbindung spielen eine Rolle. Hinzu kommen Fragen zur Finanzierung: Wer springt ein? Die Sozialversicherungen wie AHV/IV und Krankenversicherung, die öffentliche Hand oder die Angehörigen? Das Thema ist äusserst komplex; allgemeingültige Lösungen gibt es nicht. Zudem fehlt es an professionellen Anlaufstellen, die alle Aspekte berücksichtigen.

BELEUCHTUNG VON ALLEN SEITEN

Dieser Fragestellung nimmt sich das Projekt CareNet+ an. Als Koordinationsstelle bringt CareNet+ neben den betroffenen Personen und ihren Angehörigen je nach Situation auch Ärzte, Spitex, Spitäler, Krankenversicherungen, Gemeindedienste und weitere Akteure aus dem Gesundheitsund Sozialwesen an einen Tisch. Ein unabhängiger Mediator führt bei besonders komplexen Situationen durchs Gespräch. Dabei werden alle Optionen aufgezeigt. Auch die finanziellen Aspekte werden diskutiert, um gemeinsam die bestmögliche Lösung zu finden. Neben den individuellen Lösungen sollen mit CareNet+ langfristig Kosten gespart werden, indem Notfallsituationen und daraus resultierende Behandlungen oder Spitaleinweisungen vermieden und Heimeinweisungen in Einzelfällen verzögert werden. Das Projekt wird von Pro Senectute Kanton Zürich getragen. SWICA bringt die Sicht der Krankenversicherung mit ein. Mehr Informationen unter: carenetplus.ch

BREITES ANGEBOT FÜR SENIOREN UND ANGEHÖRIGE

Nützliche Informationen erhalten Betroffene bei den kantonalen Pro-Senectute-Organisationen sowie Pro Senectute Schweiz. Die Fach- und Dienstleistungsorganisation setzt sich für das Wohl von älteren Menschen ein. Mit einem Netz von 130 Beratungsstellen unterstützt sie Senioren und ihre Angehörigen in der ganzen Schweiz. Neben individuellen Beratungen zu Fragen rund um Finanzen, Vorsorge, Pflegehilfe, Seniorenbetreuung und Wohnen im Alter gibt es zahlreiche Ratgeber sowie ein breites Angebot für Alltagshilfen, Mobilität, Sport und Bewegung oder Geselligkeit: prosenectute.ch
Eine weitere Anlaufstelle ist Spitex Schweiz: spitex.ch
Auch SWICA verfügt über Fachspezialisten, die betreuende Angehörige gerne beraten. Zudem beteiligen wir uns aus den Zusatzversicherungen COMPLETA PRAEVENTA und OPTIMA mit bis zu 600 Franken an den Kosten des «Grundkurses für pflegende Angehörige» der Migros Klubschule. Bei medizinischen Fragen hilft sante24 rund um die Uhr weiter.

Wohnmöglichkeiten im Alter

Viele ältere Menschen möchten möglichst lange individuell wohnen. Werden Haus oder Wohnung zu gross, kommt eine Alterssiedlung infrage, die spezifisch auf die Bedürfnisse älterer Personen ausgerichtet ist. Temporär unselbständigere Phasen können durch Kurzzeit-, Tages- oder Nachtaufenthalte im Alters- und Pflegeheim überbrückt werden.

INSTITUTIONELLE WOHNFORMEN

Pflegewohngruppen sind durch Fachpersonen geleitete familienähnliche Alterswohngemeinschaften für Menschen, die Pflege und Betreuung brauchen.

Pflegeheime bieten eine umfassende Pflege und Betreuung bis ans Lebensende.

Alterszentren verbinden verschiedene institutionelle Wohnformen miteinander, was es ermöglicht, bei altersbedingter zunehmender Gebrechlichkeit in eine andere Wohn- und Betreuungsform zu wechseln.

Das Altersheim eignet sich für ältere Menschen, die nicht mehr selbständig wohnen wollen oder können, aber höchstens minimal pflegebedürftig sind.

PRIVATE GEMEINSCHAFTLICHE WOHNFORMEN

Das Mehrgenerationenhaus setzt auf ein Zusammenleben verschiedener Generationen, die sich ergänzen und unterstützen.

In einer Altershausgemeinschaft haben alle Bewohner eine eigene Wohnung, beteiligen sich aber an gemeinsamen Aktivitäten und helfen sich gegenseitig.

In Alterswohngemeinschaften gestalten und organisieren ältere Menschen ihren Alltag gemeinsam.

Buchtipp: «Wohnen und Pflege im Alter» Der Ratgeber des Beobachters stellt verschiedene Wohnmöglichkeiten und Entlastungsangebote vor und zeigt, wie die Pflegefinanzierung geregelt ist. «Wohnen und Pflege im Alter – Selbständig leben, Entlastung holen, Heim finanzieren» von Katrin Stäheli Haas (ISBN: 978-3-85569-467-9)

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