Globalbudget – Ja oder Nein?

Im Oktober 2017 hat der Bundesrat ein Massnahmenpaket präsentiert, um die stetig steigenden Gesundheitskosten einzudämmen. Eine der vorgeschlagenen Massnahmen sind Globalbudgets: verbindliche Zielvorgaben für das Kostenwachstum in den verschiedenen Leistungsbereichen sowie Sanktionsmassnahmen, falls die Ziele verfehlt werden. Ärzte oder Spitäler erhalten Kosten- oder Mengenvorgaben.

Mehrere Branchenvertreter haben sich gegen das Globalbudget ausgesprochen. Sie warnen vor einer Zweiklassenmedizin mit absehbaren negativen Folgen für die Patientinnen und Patienten. Befürworter widersprechen – man verzichte nur auf Eingriffe, die medizinisch nicht wirklich notwendig seien.


PRO


Prof. Dr. med. Reinhard Busse, Professor für Management im Gesundheitswesen

«Die Gesundheitsausgaben steigen in vielen Ländern, auch in der Schweiz, deutlich stärker, als es die Krankheitslast rechtfertigt. Viele medizinische Massnahmen werden nicht nur bei Patienten erbracht, für die Studien positive Effekte belegt haben. Diese Leistungsausweitung wird entscheidend durch das Vergütungssystem getrieben, da jeder zusätzliche Patient zusätzlich vergütet wird. Mit einem vorab definierten Globalbudget kann diese Logik durchbrochen werden. Sofern ein Wachstum rational begründbar ist, kann dem Gesundheitssystem aber trotzdem mehr Geld zur Verfügung stehen. Gleichzeitig stimuliert ein Globalbudget den Wegfall nicht (mehr) notwendiger Leistungen.»

CONTRA


Dr. med. Jürg Schlup, Präsident FMH, Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte

«Damit ein verbindlicher Kostendeckel Geld spart, muss er ein geringeres Budget vorsehen als sonst verwendet würde. Darum wäre es nicht mehr möglich, alle Leistungen gegenüber allen Patienten zu erbringen. Der Arzt würde gezwungen, zu entscheiden, wer noch was erhalten soll – und wer nicht. Die Bürokratie nähme weiter zu – weil Budgets berechnet und verteilt werden müssten und der Arzt Behandlungen begründen müsste. Für alle Patienten, aber vor allem für chronisch und mehrfach Kranke würde sich die Versorgung verschlechtern und Wartezeiten entstünden. Planwirtschaft hat noch nie die Effizienz gesteigert. »

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