Schulden zum 18. Geburtstag

Ein Kind, das noch minderjährig ist und kein geregeltes Einkommen hat, kann nicht für die eigenen Krankenversicherungskosten aufkommen. Die Eltern sind daher gesetzlich verpflichtet, seine Prämien zu begleichen. Wenn die Eltern die Prämien nicht bezahlen, folgt am 18. Geburtstag die böse Überraschung: Auf dem Betreibungsregisterauszug sind bereits mehrere 1000 Franken Schulden vermerkt. Wie ist das möglich? In der Schweiz muss sich jede Person für die Krankenpflege versichern – im Falle von Minderjährigen wird diese Aufgabe von den Eltern, den gesetzlichen Vertretern, übernommen. Die Versicherung wird jedoch im Namen des Kindes abgeschlossen, das dadurch Prämienschuldner wird. Solange es minderjährig ist, wird es im Betreibungsverfahren durch die Eltern vertreten. Dieser Schutz erlischt nach dem 18. Geburtstag und die jungen Erwachsenen haften solidarisch mit den Eltern für deren Versäumnisse. In einem solchen Fall starten Kinder unter Umständen mit einem beträchtlichen Schuldenberg ins Erwachsenenalter. Gemäss der Schuldenberatung Schweiz melden sich jedes Jahr rund 70 bis 100 Jugendliche, die davon betroffen sind. Ist es fair, dass junge Erwachsene für die Versäumnisse ihrer Eltern geradestehen müssen?

Meinung

Heinz Brand, SVP-Nationalrat GR
und Präsident santésuisse

«Volljährig gewordene Jugendliche sollen nicht betrieben werden und nicht in die Schuldenfalle geraten, weil ihre Eltern über Jahre die Kinderprämien nicht bezahlt haben. Das wäre ein denkbar ungünstiger Start ins Erwachsenenleben und
könnte bei den betroffenen Jugendlichen eine Negativspirale für das ganze Leben in Gang setzen. In die Pflicht müssen die Eltern genommen werden, die die Prämien ihrer minderjährigen Kinder nicht bezahlt haben. Das Problem zeigt auch, wie notwendig es ist, die übermässige Kostenentwicklung unserer Krankenversicherung zu bremsen: Jedermann soll die notwendige und wirksame medizinische Betreuung erhalten. Überflüssige und schlechte Behandlungen dürfen in Zukunft aber nicht mehr bezahlt werden, wenn unsere Krankenver­sicherung für die ganze Bevölkerung bezahlbar bleiben soll.»

2 Kommentare über “Schulden zum 18. Geburtstag

  1. An Schulden und Betreibungen hat man jahrelang zu kämpfen… es kann nicht sein, dass Eltern Rechnungen nicht zahlen und das Kind das dann ausbaden muss. Dringend gehört das geändert.

    1. Der Nationalrat hat Anfang Juni eine Motion von Bea Heim, SP-Nationalrätin und Präsidentin der Schuldenberatung Schweiz, angenommen, die Jugendliche vor einem solch schweren Start ins Erwachsenenleben schützen will.

      Nun geht die Motion in den Ständerat.

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