Optimistisch Richtung Zukunft

Michelle Senn ist elfjährig, als sie in den Skiferien hinter ihrem Vater über eine Schanze fährt und stürzt. Was zuerst ganz harmlos wirkt, hat gravierende Folgen.

Familie Senn geniesst wie jedes Jahr unbeschwerte Tage auf der Skipiste. Beim Sturz kugelt sich die älteste von drei Töchtern, Michelle, die Schulter aus. Sie kann diese noch auf der Piste selbst wieder einrenken. Als sie nach den Ferien immer noch Schmerzen hat, geht sie zum Hausarzt. Da er keine Diagnose stellen kann, folgen verschiedene Besuche bei Spezialisten und eine erfolglose Operation, bevor sie in Zürich von einem renommierten Schulterspezialisten erneut operiert wird. Einige Monate später fällt sie bei einem Fussballspiel unglücklich auf ihre Schulter – erneut werden ein Eingriff sowie intensive Physiotherapie und Krafttraining notwendig. «Trotz Operationen war ich seit dem Sprung über die Schanze nie mehr ganz schmerzfrei. Nach fünf Eingriffen hatte ich endlich das Gefühl, dass meine Schulter nun stabil ist.

«Doch was zu Beginn so harmlos ausgesehen hat, wirkte sich auf mein ganzes Leben aus», erzählt Michelle Senn. Als nach einem Sturz mit dem Velo die Schulter erneut operiert werden soll, hält ihr Arzt dies für wenig sinnvoll und rät zu Drittmeinungen aus dem In- und Ausland. Einziger Ausweg scheint eine operative Schultergelenkversteifung. Ein schwerwiegender Eingriff – besonders für ein 16-jähriges Mädchen, da die Funktionseinschränkungen nicht rückgängig gemacht werden können. Ein Neuropsychologe prüft, ob sie diese Konsequenzen psychisch verkraftet. Inzwischen sind die Schmerzen unerträglich: «Ich fehlte oft in der Schule und konnte nur noch die Hauptfächer besuchen.» Der Klassenlehrer ist verständnisvoll und unterstützt sie: «An meinen guten Tagen habe ich wie eine Verrückte gelernt – ich wusste ja nie, wie der nächste Tag aussieht. Das mache ich noch immer so», lacht die inzwischen 25-Jährige.

Dank dem starken Willen von Michelle und nach dem Motto ‹Man muss immer das Beste aus der Situation machen› konnten wir viele schwierige Situationen meistern. Frau Kleeb hat uns unterstützt, als wir selbst nicht mehr weiterwussten.


Irene Senn, Mutter von Michelle Senn

Michelle Senn lässt ihr Schultergelenk noch vor dem Schulabschluss versteifen, damit sie ihre Lehre beginnen kann. Dadurch konnte das Gelenk nicht mehr ausrenken, eine verminderte Belastbarkeit, Bewegungseinschränkung und Restschmerzen blieben aber zurück. Nach der Ausbildung zur medizinischen Praxisassistentin studiert sie Operationstechnik an der Höheren Fachschule: ein lang gehegter Traum. Während der Praktika nehmen die Schmerzen wieder zu, die anstrengende Arbeit im Operationssaal fordert ihren Körper. «Ich habe viele Tricks entwickelt, um alle Aufgaben zu machen – wenn nötig mit nur einer Hand.» Gegen die immer akuteren Schmerzen nimmt Michelle Senn täglich starke Medikamente. Mit letzter Kraft schafft sie ihren Abschluss: «Zu diesem Zeitpunkt wusste ich, dass ich meinen Traumberuf längerfristig nicht würde ausüben können.» Ihre Mutter bittet das Care Management von SWICA um Hilfe. Care Managerin Ursula Kleeb erinnert sich: «Michelle Senn litt unter starken Schmerzattacken. Sie hatte keine Ahnung, wie es beruflich weitergehen sollte. Das belastete sie zusätzlich.» Gemeinsam machen sie eine Auslegeordnung und melden die junge Frau bei der Invalidenversicherung an.

Das Care Management kümmert sich um einen Platz in einer stationären Reha, wo Michelle Senn von einer Schmerzpsychologin betreut wird. Zurück aus der Reha bespricht die Care Managerin mit Michelle Senn ihre Medikamentendosis: «Die starken Opiate, die sie täglich nehmen musste, haben mich beunruhigt», erzählt Ursula Kleeb. «Ich habe Michelle Senn deshalb eine Schmerzspezialistin mit sehr viel Erfahrung im Umgang mit Medikamenten empfohlen.» Die Schmerzspezialistin erweist sich als grosse Hilfe: «Zum ersten Mal konnte mir jemand erklären, woher meine Schmerzattacken kommen. Dadurch gehen sie zwar nicht weg, doch ich kann sie richtig einordnen. So habe ich nicht mehr ständig Angst, dass etwas gerissen ist», erklärt Michelle Senn. Unter Anleitung der Schmerzspezialistin macht sie einen Entzug. Eine harte Zeit – doch die zielstrebige junge Frau schafft es. «Meine Mutter und meine ganze Familie und Kolleginnen haben mich immer super unterstützt. Auch Frau Kleeb war eine grosse Hilfe: Sie hat ganz viele Hebel in Bewegung gesetzt und für alles eine Lösung parat.» Heute studiert Michelle Senn Psychologie, die IV unterstützt ihr Studium. Noch immer hat sie Schmerzen, doch sie hat gelernt, damit umzugehen. Sie verfolgt hartnäckig und voller Zuversicht ihr nächstes Ziel: «Nach dem Studium möchte ich Menschen unterstützen, die in einer ähnlichen Situation sind.»

Das Care Management ist eine kostenlose Dienstleistung für SWICA-Versicherte und deren Angehörige. Die rund 85 Care Manager schweizweit bieten Hilfe bei der Bewältigung in komplexen medizinischen Situationen
oder in schwierigen Lebensphasen.

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