Dem Arzt untreu

Waren Sie Ihrem Arzt schon mal untreu? Damit sind Sie nicht alleine. Therapietreue – oder auch Compliance genannt – bedeutet das konsequente Befolgen der ärztlichen Ratschläge und Verordnungen. Doch viele Patientinnen und Patienten halten sich nicht an ihre Therapievorgaben. Dies kann schwerwiegende gesundheitliche Konsequenzen haben und hohe medizinische Kosten verursachen.

Bei gesundheitlichen Problemen setzt man auf professionelle medizinische Hilfe. Man erhält eine Behandlungsempfehlung, setzt diese um und kann so die Beschwerden lindern – so viel zur Theorie. In der Praxis jedoch halten sich sehr viele Patienten nicht an die Behandlungsempfehlungen von Ärzten und Therapeuten. Insbesondere bei chronischen Krankheiten kann dies fatal sein.

Von vergessen bis verweigert

Warum sich trotz oft bekannten Risiken so viele Patienten nicht an die Therapie halten, die sie mit ihrem Arzt besprochen haben, hat vielfältige Gründe. Einer davon: Vergesslichkeit. Bei komplexen Therapiemassnahmen oder mehreren Medikamenten ist zudem die Gefahr gross, dass Motivation und Verständnis für den Behandlungsplan sinken. Davon sind vor allem chronisch kranke Patienten häufig betroffen. Unsicherheit im Umgang mit Medikamenten, beispielsweise wenn Form oder Verpackung ändern, erschwert die Compliance zusätzlich. Es gibt aber auch kritische Patienten, die eine Therapie bewusst abbrechen. Ein hektischer Alltag, in den die Massnahmen nicht praktikabel integriert werden können, verringert die Therapietreue ebenfalls. Andere Gründe können Nebenwirkungen, zu wenig Informationen oder ein zu geringer oder ausbleibender wahrnehmbarer Erfolg sein.

Gefährlich und teuer

Klar ist: Je akuter die Auswirkungen der Erkrankung sind, desto eher halten sich Patienten an die medizinischen Anweisungen. Bei chronischen Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes, die keine unmittelbaren Schmerzen oder andere Probleme verursachen, sinkt die Therapietreue jedoch mit jedem Jahr – denn oft fühlt sich der Patient nicht krank und auch seine Lebensqualität verschlechtert sich beim Absetzen der Medikamente nicht unmittelbar. Das Risiko für weitere Erkrankungen und auch die Sterblichkeit können als Folge davon aber zunehmen.

Solche Patienten schaden zum einen sich selbst. Zum anderen erwachsen dem Gesundheitssystem Mehrkosten, die Experten auf Milliarden schätzen. Nicht nur sind in solchen Fällen die Ausgaben für die Initialtherapie oft vergebens, sondern auch die Kosten für die jährlich nicht eingenommenen Medikamente sind horrend. Verschlechtert sich die Gesundheitssituation der Betroffenen, entstehen neue, teils noch höhere Kosten, beispielsweise für zusätzliche, eventuell notfallmässige Arzttermine, neue Diagnosen oder weitere Medikamente. Bei chronisch kranken Patienten, die ihre Therapie abbrechen, droht zudem die Gefahr, dass es zu einem langfristigen Pflegebedarf kommt. Nicht zu unterschätzen sind zudem die volkswirtschaftlichen Kosten von Arbeitsausfällen.

Arzt-Patienten-Verhältnis auf Vertrauensbasis

Um die Compliance nachhaltig zu verbessern, muss der Patient verstehen, was Sinn und Zweck der Therapie sind und dass er schlussendlich für seine eigene Gesundheit verantwortlich ist. Im umfassenden Gespräch mit dem Therapeuten müssen alle offenen Fragen zur Behandlung, zu Hintergrund, Dauer, möglichen Nebenwirkungen oder Folgen bei Abbruch geklärt und es muss auf allfällige Bedenken des Patienten eingegangen werden. Ein gutes Arzt-Patienten-Verhältnis ist dabei zentral. Zudem können regelmässige Schulungen zur Therapie sowie die Überprüfung der Ergebnisse zur Einhaltung beitragen.


Dem Vergessen ein Schnippchen schlagen

Mangelnde Therapietreue ist ein allgemein bekanntes Problem. Damit der Patient seiner Gesundheit Sorge tragen kann, muss er den Behandlungsplan, den er zusammen mit dem Arzt vereinbart hat, verstehen und ihm zustimmen. Damit danach die Einnahme von Medikamenten nicht vergessen geht, gibt es einige Hilfsmittel.

Zweitperson:
Sich helfen lassen

Es hilft, wenn eine vertraute Person den Medikamentenplan ebenfalls kennt und bei dessen Einhaltung unterstützen kann.

Klassisch:
Der Medikamentenspender

Pillendose, Tablettenbox, Medikamentenspender – das Dosiersystem gibt es in vielen Formen. Es kann nach Tag und Uhrzeit befüllt werden und gibt so einen Überblick, welche Medikamente wann genommen werden müssen oder schon genommen wurden.

Die Box kann man gegen Bezahlung regelmässig vom Apotheker befüllen lassen. Bei mehr als drei Medikamenten und einer ärztlichen Verordnung werden diese Kosten von der Krankenversicherung übernommen (abzüglich Franchise und Selbstbehalt)

Elektronisch:
Moderne Helferlein

Das traditionelle Tagebuch wird heute durch Smartphones und Apps ersetzt. Dienste, die SMS oder telefonische Nachrichten versenden, erinnern an die pünktliche Medikamenteneinnahme. Es gibt elektronische Medikamentenspender mit Sprachfunktion oder individuell verpackte Medikamentenportionen, die man einfach von einer Rolle abreissen kann.

Drohen rezeptpflichtige Medikamente auszugehen, können sie online via Versandapotheke einfach nach Hause bestellt werden. Bei den Apotheken Zur Rose, xtrapharm und MediService erhalten SWICA-Versicherte bis zu 12 Prozent Rabatt.

Kognitiv:
Die Gedankenstütze

Um an die regelmässige Einnahme zu denken, kann sie an andere Tätigkeiten gekoppelt werden. Deponieren Sie dazu die Medikamente an einem Stammplatz, an dem Sie täglich daran erinnert werden, zum Beispiel neben dem Bett, im Bad oder in der Küche. So kann man die Einnahme dem Tagesablauf anpassen.

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