Mehr hilft mehr! Oder?

Welches ist die richtige Behandlung? Wie viel kostet eine Therapie? Wer bezahlt? Und: Deckt sich die Erwartung des Patienten mit dem, was er effektiv braucht? Eine optimale Versorgung ist herausfordernd und die Gründe für eine Über- oder Unterversorgung sind vielfältig. Ein Lösungsansatz für chronisch Kranke sind strukturierte Programme, die durch einen klaren Behandlungspfad zu mehr Lebensqualität verhelfen.

Zu viele Medikamente, überflüssige Behandlungen oder vermeidbare Krankenhausaufenthalte können Betroffene gesundheitlich, psychisch und finanziell belasten. Doch während die einen mehr Pflege erhalten, als ihnen guttut, bleiben andere unterversorgt. Die Ursachen für eine Über- oder Unterversorgung lassen sich schwer identifizieren. Vor allem bei einer Überversorgung spielen Fehlanreize im Gesundheitssystem eine zentrale Rolle. Die meisten Akteure haben keine Sparanreize: Ärzte, Spitäler und Apotheken verdienen mehr, wenn sie mehr Leistungen erbringen. Gleichzeitig möchten Patienten im Krankheitsfall die Sicherheit haben, dass alle möglichen Behandlungsoptionen ausgeschöpft werden. Aber auch die Ursachen einer Unterversorgung sind auf die Rahmenbedingungen unseres Gesundheitssystems zurückzuführen. Ärztliche Konsultationen erfolgen oft unter hohem Zeitdruck. Zudem ist es aufgrund der komplexen Strukturen im Versorgungssystem für Ärzte und Patienten schwierig, eine vertrauensvolle Beziehung aufzubauen. Diese beiden Faktoren haben zur Folge, dass der Patient häufig unzureichend in den Behandlungspfad miteinbezogen wird – gerade bei komplexen Behandlungen oder chronischen Krankheiten ist dies aber besonders wichtig.

Strukturiert gegen Über- oder Unterversorgung

Damit Patienten mit chronischen Krankheiten optimal behandelt werden, existieren strukturierte Programme – sogenannte Disease-Management-Programme. Diese beruhen auf den Erkenntnissen der evidenzbasierten Medizin und führen den Patienten entsprechend seinen Bedürfnissen durch den Behandlungspfad. Gleichzeitig erhält er eine Ansprechperson, die niederschwellig erreichbar ist, seine Krankengeschichte kennt und die Behandlungen koordiniert. Vor allem bei chronisch kranken Menschen ist es relevant, dass sie als Partner ernst genommen werden und eine aktive Rolle im Entscheidungsprozess übernehmen können. Sie erkennen dadurch, dass sie der Krankheit nicht hilflos ausgeliefert sind und ihre Lebensqualität aktiv beeinflussen können. SWICA unterstützt verschiedene Netzwerkpartner, die Programme im Bereich Diabetes, COPD, Hypertonie (Bluthochdruck) und Schlaf anbieten.

Drei Fragen an … 

Dr. med. Adrian Rohrbasser, Arzt bei Medbase Wil

Dr. med. Adrian Rohrbasser, Arzt bei Medbase Wil, erklärt am Beispiel eines Diabetespatienten, wie ein Disease-Management-Programm aussehen kann.

Angenommen, Sie diagnostizieren bei einem Ihrer Patienten Diabetes. Was passiert dann?

Am Anfang stehen ausführliche Informationen zur Diagnose und zu den Therapiemöglichkeiten. Danach machen wir zusammen mit dem Patienten eine Standortbestimmung, bei der seine Ideen, Wünsche und Ängste besprochen werden. So können die Massnahmen auf seine Bedürfnisse abgestimmt werden.

Die Betreuung von Diabetespatienten ist komplex. Welche Behandlungskomponenten beinhaltet das Programm? 

Neben der ärztlichen Behandlung, die in Zusammenarbeit mit medizinischen Praxisassistenten erfolgen kann, ist die Betreuung und Schulung durch Physiotherapeuten und Ernährungsberater hinsichtlich Bewegung und Ernährung sehr wichtig. In komplexen Fällen werden Diabetes-Fachberater oder Diabetologen hinzugezogen.

Gibt es in den klar strukturierten Betreuungsprogrammen auch Platz für individuelle Bedürfnisse?

Es geht nicht darum, «bei allen Patienten alles zu machen», sondern die Massnahmen der Situation und den Zielsetzungen des Patienten individuell anzupassen. Darum wird der Physiotherapeut nicht einfach «Sport» vorschlagen, sondern mit dem Patienten diejenigen sportlichen Tätigkeiten fördern, die ihm Freude bereiten. Schlussendlich hängt die Prognose wesentlich davon ab, welche Eigenverantwortung der Patient übernimmt. Unsere Aufgabe ist es, ihm das Wissen und die Kompetenz für eine hohe Lebensqualität im Alltag mitzugeben.

Interessieren Sie sich für ein Disease-Management-Programm? Dann kontaktieren Sie den Kundendienst für mehr Informationen; dieser ist rund um die Uhr telefonisch erreichbar.

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