Alles neu: Unterstützung in einer ungewohnten Situation

Ein schwerer Motorradunfall macht Dave Behrendt einen Strich durch seine Zukunftspläne. Mit viel Wille und Mut passt er sich der neuen Situation an – bis er sein Leben wieder selber gestalten kann.

Auf die schönen Spätsommertage hin hatte sich Dave Behrendt ein Motorrad gekauft. Lange hatte er keines mehr gefahren, jetzt schien ihm der Zeitpunkt richtig. Nur drei Wochen später geschah der Unfall – danach war alles anders.

Der gelernte Mechatroniker aus Leipzig kommt im Sommer 2016 für eine neue Stelle bei Coop Schafisheim in die Schweiz. «Mein Vater arbeitete bereits seit Längerem dort und konnte mir die Arbeitsstelle als Betriebselektriker empfehlen», erinnert sich der 32-Jährige. Genau einen Monat ist er bei Coop angestellt, als er bei einem Freizeitausflug mit dem Motorrad verunglückt. Beim Überholmanöver verliert er die Kontrolle, rutscht weg und prallt gegen die Leitplanke. Mit dem Bein will er sich instinktiv abstützen und wegdrücken – ein fataler Fehler; noch auf der Unfallstelle verliert er seinen linken Unterschenkel. Eine Krankenschwester fährt im Auto hinter ihm und sieht, wie das Unglück passiert. Sie drückt ihm das Bein ab, bis die Ambulanz vor Ort ist. Trotzdem schwebt Dave Behrendt in Lebensgefahr; er hat schwere Kopfverletzungen und zwei Halswirbel sind gebrochen. «An den Unfall kann ich mich nicht erinnern. Nur aufgrund der Aussagen der Unfallzeugen weiss ich, was passiert sein muss», erzählt Dave Behrendt.

Für mich aus Deutschland war es eine 
grosse Hilfe, eine Vertrauensperson an der Seite
zu haben, die sich im Schweizer System auskennt.

Dave Behrendt

Im Spital wird er operiert und liegt für einen Tag im Koma. Erst als er aufwacht, zeigt sich, welches Glück er hatte. Die Kopfverletzungen haben keine bleibenden Schäden hinterlassen. «Während der Zeit im Spital sah ich viele Patienten, deren Kopfverletzungen schlimme Folgen hatten. Da bin ich vergleichsweise gut weggekommen», sagt Dave Behrendt erleichtert. Trotzdem beginnen für ihn nun eine anstrengende Physiotherapie und eine lange Rehabilitationszeit, um sich an den neuen Bewegungsablauf ohne Unterschenkel zu gewöhnen. Dazu kommen anfänglich epileptische Anfälle, die ihm die Rehabilitation erschweren und wegen denen er den Führerschein abgeben muss. Doch trotz der grossen Aufgabe, die Dave Behrendt vor sich hat, lässt er sich nicht entmutigen. Sportlich, jung und leidenschaftlicher Bewegungsmensch, will er sich so schnell wie möglich an die neue Situation gewöhnen und wieder aktiv werden. Tatsächlich wird er zum Bilderbuchpatienten und macht schnell grosse Fortschritte.

Nach einem solchen Erlebnis verändert sich
die Bedeutung von langfristigen Plänen.

Dave Behrendt

Motiviert und lebensfroh, so hat ihn auch Fatma Incesu, Care Managerin bei SWICA, kennengelernt. Sie erinnert sich, dass er sich nie dem Selbstmitleid hingab, und ist überzeugt: «Diese positive Einstellung trotz der schweren Situation hat sicherlich zur schnellen Genesung und Anpassung an die neuen Umstände beigetragen.» 

Fatma Incesu unterstützt Dave Behrendt bei allen Fragen zum Thema Versicherung, IV und berufliche Eingliederung – eine grosse Hilfe für Dave Behrendt, der das deutsche Gesundheits- und Sozialsystem gewohnt ist. «Nachdem sich beim Gespräch mit dem Arbeitgeber herausstellte, dass ich meinen Job in Zukunft nicht mehr machen kann und momentan keine andere geeignete Stelle frei ist, war ich umso dankbarer für ihre Unterstützung», erinnert er sich. Zusammen mit dem Care Management, dem Arbeitgeber und der IV beschliesst Dave Behrendt, eine Umschulung zum Prozessfachmann zu beginnen. Das ist für ihn nicht nur eine spannende Herausforderung, sondern auch wichtig, um selbstständig zu bleiben: «Ich bin nicht gerne von anderen abhängig. Daher habe ich mich bei meiner körperlichen Reha so stark eingesetzt und darum ist es mir wichtig, beruflich wieder eigenständig zu sein.» Auch sein Zuhause im ländlichen Seon im Aargau hat Dave Behrendt aufgrund des Führerscheinverlusts aufgegeben und ist in die Basler Innenstadt gezogen, um mobil zu bleiben. Obwohl er inzwischen wieder Auto fahren kann, will er das Stadtleben nicht mehr missen. Seinem ursprünglichen Beruf trauert Dave Behrendt nicht nach: «Natürlich hatte ich mir meine Zukunft anders vorgestellt. Doch mein Verhältnis zu langfristigen Plänen hat sich nach meinem Unfall sowieso verändert. Heute nehme ich das Hier und Jetzt, wie es ist, und freue mich bei der Umschulung auf eine neue Herausforderung.»

Das Care Management ist eine kostenlose Dienstleistung für SWICA-Versicherte und deren Angehörige. Die rund 85 Care Manager schweizweit bieten Hilfe bei der Bewältigung in komplexen medizinischen Situationen oder in schwierigen Lebensphasen.

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